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Eine Tagesmutter ermöglicht Eltern den Spagat zwischen Familie und Beruf

Gemeinden teilen sich Kindertagespflege

Die Gemeinden Schöneck und Niederdorfelden arbeiten bei der Kindertagespflege zusammen. Aktuell gibt es fünf Tagespflegestellen. Nadja Semm, stellvertretende Fachbereichsleiterin Familie und Kultur in Schöneck, ist die Ansprechpartnerin. „Es ist schön, dass wir wieder eine engagierte Tagesmutter in Niederdorfelden haben“, sagt Bürgermeister Klaus Büttner (SPD). Laut Schönecks Bürgermeisterin Carina Wacker (CDU) stehen in ihrer Kommune aktuell Plätze im U3-Bereich als auch in der Kindertagespflege zur Verfügung. Wer Interesse an der Kindertagesspflege hat, kann sich an Semm unter 06187 9562400 wenden. Infos unter www.schoeneck.de.

„Ich liebe die Arbeit mit Kindern“, sagt die 42-Jährige, selbst zweifache Mama. Aufgewachsen ist Lazarde in Venezuela. Mit zwölf Jahren kommt sie nach Deutschland, als ihre Mutter der Liebe wegen hierher zieht. „Ich habe die Realschule auf der Erich-Kästner-Schule in Maintal abgeschlossen, bin in Frankfurt auf die Schule für Bekleidung und Mode gegangen, wo ich mein Fachabitur gemacht habe“, erzählt sie. Währenddessen absolviert Lazarde ein Praktikum bei der Niederdorfeldener Schneiderin Claudia Franz.

Betreuung von Montag bis Donnerstag Die junge Frau beginnt ihr Studium in Frankfurt und sammelt erste Erfahrungen in der Betreuung von Schülern. Durch persönliche Veränderungen unterbricht sie ihr Chemie-Studium und zieht später mit ihrem Sohn nach Rostock, um dort neue berufliche Perspektiven zu verfolgen. Da sich ihr ursprünglicher Studienwunsch der Meeresbiologie dort nicht erfüllt, entscheidet sie sich schließlich für die Selbstständigkeit und baut ein eigenes kreatives Geschäft auf, in dem sie selbstgemachte Taschen und Schals verkauft.

„Nach drei Jahren zog es mich 2013 zurück zu meiner Familie “, sagt die 42-Jährige. Sie absolviert ein Förderprogramm beim Main-Kinzig-Kreis, wodurch sie den Führerschein erwirbt. Nur ein Jahr später zieht Lazarde zu ihrem Lebensgefährten nach Großbeeren, wo sie weiterhin selbstständig ist. Als die Partnerschaft in die Brüche geht, kehrt sie 2017 zurück. „Ich bin froh darüber, hier zu leben. In Niederdorfelden gibt es alles: Feld, Wald, Wiese und die Nidder.“

2018 beginnt sie die Ausbildung zur Erzieherin. „Die Arbeit mit Kindern ist sehr sinnstiftend, das kann nichts überbieten“, sagt sie. Ihr Praktikum für die Ausbildung absolviert sie in der Kindertagesstätte 100-Morgen-Wald, bevor Lazarde in Frankfurt in einer bilingualen Einrichtung einen Job findet.

2024 kommt ihre Tochter zur Welt. 2025 entschließt sich Lazarde, sich als Tagespflegeperson zu qualifizieren. Da sie staatlich anerkannte Erzieherin ist, kann sie die Qualifikation verkürzt absolvieren. In der Phase erhält sie im mehrtätigen Praktikum bei der Schönecker Tagesmutter Karolin Huhn einen intensiven Einblick. „Der Fokus auf die Kinder ist in einer kleinen Gruppe intensiver, man kann besser auf sie eingehen“, erklärt die Tagesmutter. „Ich finde es einen schönen Ansatz, wenn durch mich Eltern Familie und Beruf in Einklang bringen können.“ Sie bietet Betreuung in der Zeit von montags bis donnerstags an.

Das Erdgeschoss hat sie mit ihrem Partner, den sie beim Kung-Fu kennenlernte, umgewandelt. Spiel- und Schlafzimmer werden durch die Küche verbunden, ein Bad ist ebenfalls auf der Ebene. Alles kindgerecht gesichert. Pädagogisch orientiert sich Lazarde an Montessori. Das frisch gekochte Essen ist von der venezolanischen Küche inspiriert, etwa durch Quinoa oder Maisbrötchen. „Aber nicht so stark gewürzt.“ Später sollen die Kinder draußen auf dem Hof toben dürfen, der sich noch im Umbau befindet. „Wir haben sechs Spielplätze in der Umgebung, die ich mit den Kindern erkunde“, sagt sie. In ihrer Freizeit begeistert sich Lazarde für Musik, sie spielt Cuatro, ein kleineres Zupfinstrument, das im Aussehen einer Gitarre ähnelt. „Ich liebe Musik, das ist auch für Kinder immer toll.“