Unser Oberdorfelden

Die erste urkundlich gesicherte Nachricht vom Bestehen Dorfeldens entstammt dem berühmten Kloster Lorsch an der Bergstraße. Am 30. August des Jahres 768 erhielt das Kloster ein Geschenk des Franken Isinhart. Dabei wurden 10 Morgen Ackerland im Dorfe Turinvelde an das Kloster übergeben. Unter den 3.600 Urkunden in der Lorscher Handschrift ist diese Nachricht eine der frühesten. Seit dem 13. Jahrhundert hat man Dorfelden unterschieden in Oberdorfelden (erstmals 1268) und in Niederdorfelden (erstmals 1276). Allerdings bilden die beiden Orte weiterhin ein gemeinsames Kirchspiel. Bis zur Reformation gehörte die Pfarrei zum Verwaltungsbezirk des Dekanates Roßdorf. Dabei lag die erstmals genannte Pfarrkirche in Oberdorfelden, während Niederdorfelden nur eine Filialkirche mit einer Kapelle besaß.

In den Ortsnamen ist nach Auffassung der Historiker ein alter, heute nicht mehr gebräuchlicher Personenname "Toro" oder "Doro" enthalten, der eine Abkürzung des Namens Dorolf darstellt. Der erste Namensteil könnte jedoch auch dem heutigen Wort "dürr" entstammen, das früher "durri" oder "dorre" gesprochen wurde. Dann musste der Name ursprünglich "am dürren Felde" bedeutet haben. Nach längerer Lücke setzt die Geschichtsüberlieferung erst im 12. Jahrhundert wieder ein. Aus einer Nachricht ist zu entnehmen, dass das Stift St. Alban in Mainz um 1130 Einkünfte in Dorofelden besaß. Etwa zur gleichen Zeit erscheint eine zweite Macht in diesem Gebiet: Die Herren von Dorfelden, Vorfahren des späteren Grafen von Hanau. Konrad von Dorfelden wird um das Jahr 1166 als Zeuge in einer Urkunde Kaiser Friedrichs I. (Barbarossa) zugunsten des benachbarten Klosters Ilbenstadt benannt. Schon bald nach ihrem ersten Auftreten, vermutlich um 1170 gelang es den Herren von Dorfelden, festen Fuß im Gebiet um Hanau zu fassen. Um 1300 hatte sich das Staatswesen der Herrschaft Hanau so weit gefestigt, dass die früher rechtslos nebeneinander verstreuten Einzelbesitzungen in zusammenhängende und fest formierte Verwaltungsbezirke, in Ämter zusammengefasst wurden. Um Hanau bildete sich das Amt Büchertal (nach den Orten Wachen- und Mittelbuchen genannt). Zu ihm wurde als nordwestlicher Grenzort auch Oberdorfelden bezogen. 

     

Eine bedeutsame Wandlung brachte die Einführung der Reformation, die schon um 1523 im Hanauer Land begann. Die Pfarrgemeinde schloss sich dem lutherischen Bekenntnis an und der Pfarrer Reinhardus wagte es 1548 mit 14 benachbarten Amtsbrüdern, eine Eingabe an den Grafen Hanau mit der Bitte um Erhaltung dieses Bekenntnisses zu richten. Das Alban-Stift in Mainz verkaufte 1562 dem Grafen von Hanau sein Patronatsrecht in Oberdorfelden. Später wurde dann, wie in den übrigen Orten der Grafschaft, das reformierte Bekenntnis eingeführt. Die alte romanische Pfarrkirche, die anscheinend in gotischer Zeit umgebaut worden war, ist 1763 durch einen Neubau ersetzt worden. Seit dem späteren 16. Jahrhundert setzte sich eine allmähliche Straffung der Staatsgewalt und ihrer Hoheitsrechte in der Hand des Landesherrn und der gräflichen Regierungsbehörde ein, die sich auch im Bereich der kommunalen Selbstverwaltung auszuwirken begann. Allerdings wurde sie nicht völlig unterdrückt. Neben dem Schultheißen als dem Beamten des Landesherrn blieben die jährlich gewählten Bürgermeister als Vertreter der Gemeinden weiterhin in der Dorfverwaltung tätig.

Auch Oberdorfelden hatte unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Als die Festung Hanau 1629 in schwedischer Hand zu einem wichtigen Objekt der Kriegsführung wurde, wurde das Büchertal und seine Umgebung besonders betroffen. Nach dem Übergang des Hanauer Landes an die Landgrafen von Hessen-Kassel (1736) erhielt es eine gewisse Sonderstellung, die ihm wirtschaftlich und kulturell förderlich waren.

In den Revolutionsjahren von 1830 und 1848 spielte die Grafschaft unter Führung der Hanauer Bürgerschaft eine bedeutsame Rolle im Verband des hessischen Kurfürstentums. Das weitere Wachstum hatte sich trotz der Nähe der Großstadt Frankfurt maßvoll vollzogen. Erst Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts erhöhte sich durch die Ansiedlung von Nebenerwerbssiedlungen südlich der Eisenbahnlinie die Einwohnerzahl von Dorfelden um das Dreifache.


Fotos 

Mit besten Dank an die Seniorenfotogruppe